Männer im Fegefeuer: Western by Pete Hackett

Männer im Fegefeuer: Western

byPete Hackett

Kobo ebook | January 15, 2013 | German

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Über den Autor
Unter dem Pseudonym Pete Hackett verbirgt sich der Schriftsteller Peter Haberl. Er schreibt Romane über die Pionierzeit des amerikanischen Westens, denen eine archaische Kraft innewohnt, wie sie sonst nur dem jungen G.F.Unger eigen war - eisenhart und bleihaltig. Seit langem ist es nicht mehr gelungen, diese Epoche in ihrer epischen Breite so mitreißend und authentisch darzustellen.
Mit einer Gesamtauflage von über zwei Millionen Exemplaren ist Pete Hackett (alias Peter Haberl) einer der erfolgreichsten lebenden Western-Autoren. Für den Bastei-Verlag schrieb er unter dem Pseudonym William Scott die Serie "Texas-Marshal" und zahlreiche andere Romane. Ex-Bastei-Cheflektor Peter Thannisch: "Pete Hackett ist ein Phänomen, das ich gern mit dem jungen G.F. Unger vergleiche. Seine Western sind mannhaft und von edler Gesinnung."
Hackett ist auch Verfasser der neuen Serie "Der Kopfgeldjäger". Sie erscheint exklusiv als E-book bei CassiopeiaPress.



Es war am 3. Juli 1863.
Captain Kenneth Withaker stürmte an der Spitze seiner Männer. Furchtlos und unerschrocken. Es war wie ein Rausch, der ihn den Hang hinauftrieb und gegen das tödliche Feuer des Gegners anrennen ließ. Doch das Schicksal raste. Der Captain verspürte einen knallharten Schlag gegen die rechte Seite, dann versank die Welt um ihn herum. Den Aufschlag am Boden spürte er schon nicht mehr. Die nachfolgenden Männer seiner Einheit sprangen über ihn hinweg. Sein Blut versickerte im weichen Waldboden...
Als der Tag zu Ende ging, war die Schlacht für die Konföderierten verloren. Sie rückten ab. Die Sanitäter der Blauröcke fanden Kenneth und brachten ihn ins Feldlazarett. Er war dem Tod näher als dem Leben. Ein Feldscher operierte ihn. Dann kam er in ein großes Zelt, in dem schon viele Männer auf Feldbetten lagen, das voll war vom Wimmern, Stöhnen und Jammern der Verwundeten und Sterbenden. Bewaffnete patrouillierten auf und ab.
„Wie soll es weitergehen?“, fragte Kenneth einen der Sanitätsoffiziere, als er aus der Ohnmacht erwachte und die grauenvolle Erinnerung einsetzte. Er befand sich in der Gewalt des Feindes. In seiner rechten Seite wühlte furchtbarer Schmerz. Kenneth fühlte sich schwach und elend. Er stemmte sich verzweifelt gegen die Nebel der Benommenheit, die gegen sein Bewusstsein anbrandeten. Das alles empfand er alptraumhaft und schrecklich.
„Du bist Kriegsgefangener, Rebell. Gefangener der glorreichen Armee des Nordens. Eigentlich aber bist du ein Glückspilz. Denn für dich ist dieser verdammte Krieg zu Ende.“ Der Lieutenant grinste kalt und überheblich. „Nun, wie soll es schon weitergehen? Man wird dich vor die Wahl stellen: entweder du verrottest in einem Gefangenenlager, oder du ziehst eine blaue Uniform an und gehst freiwillig in den Westen, ins Indianerland, um dort zu helfen, für Ruhe und Ordnung bei den rothäutigen Chinesen zu sorgen.“

*

Drei Monate später. Ken Withaker hatte sich für das Indianerland entschieden. Sein ganzes Denken kreiste um Flucht. Aus einem Gefangenenlager der Yankees auszubrechen war nahezu unmöglich. Er hasste die blaue Uniform mit den gelben Biesen an den Außennähten der Reithosen. Alles in ihm bäumte sich dagegen auf, gegen halbverhungerte aufständische Indianer zu kämpfen, während seine Kameraden irgendwo im Osten einen schier aussichtslosen Kampf gegen die Übermacht der Union führten. Und irgendwann wollte er nach Hause - heim nach Texas, zum Pecos River, auf die Ranch in der Nähe von Red Barn, wo seine Eltern und seine jüngere Schwester Kelly lebten.
Er wurde zusammen mit einigen Dutzend anderer Soldaten nach Fort Canby im Nordwesten New Mexikos verfrachtet. Die Wunde an seiner rechten Brustseite war vollständig ausgeheilt. Er war wieder im Vollbesitz seiner körperlichen Kräfte.
Es war Mitte Oktober, als Ken mit dem Gefangenentransport  in Fort Canby eintraf. Die Bagagewagen verhielten in einer Reihe. Pferde wieherten. Befehle wurden gebrüllt. Die Gefangenen mussten vortreten. Ein Captain und ein Sergeant schritten die Reihe der größtenteils von ihrer Verwundung und der schlechten Verpflegung ausgemergelten Männer ab. Die meisten von ihnen trugen noch die Uniform des Südens. Zerschlissene graue Feldblusen, schmutzig und mit eingetrocknetem Blut besudelt, zerrissene Hosen und brüchige Stiefel. Es war ein jämmerlicher Haufen.
Der Captain sprach es aus. „Das sind keine Soldaten, das sind Halbtote! Gespenster in zerfetzten Uniformen. Was soll ich mit denen? Wenn das die zugesagte Verstärkung gegen die aufrührerischen Navajos sein soll - dann gute Nacht.“
„Sie haben recht, Sir!“, röhrte die tiefe Stimme des Sergeanten, eines rothaarigen, stiernackigen Mannes mit unzähligen Sommersprossen im breitflächigen Gesicht, das von einem paar wasserheller Augen beherrscht wurde. „Man hat uns einen Haufen Schießbudenfiguren geschickt. Aber keine Sorge, Sir. Ich werde brauchbare Burschen aus ihnen machen.“ An die gefangenen Männer gewandt schrie der Sergeant: „Hört her, ihr Krücken! Mein Name ist McIntosh - Lance McIntosh. Ich werde für euch verantwortlich sein. Die meisten von euch werden es mit mir tagtäglich zu tun haben. Und es wird an euch liegen, wie wir miteinander auskommen werden. Ich lasse nichts durchgehen. Bei uns hier herrscht Zucht und Ordnung.“
Er grinste und zeigte dabei die Zähne wie eine grimmige  Bulldogge. Seine Stimme hob sich: „Wir werden euch in schöne blaue Uniformen stecken. Und ihr werdet den Patriotismus, der euch in den grauen Rock schlüpfen und General Lee hoch leben ließ, vergessen, oder wir treiben ihn euch nachhaltig aus. Vergesst nie, dass ihr Gefangene seid. Jede Meuterei wird im Keime erstickt, jeder Fluchtversuch ist zwecklos. Unsere Ute-Scouts finden jeden und bringen ihn zurück. Tot oder lebendig. Und sollte er den Utes entkommen, erwischen ihn mit Sicherheit die im Lande herumstreunenden Navajos und ziehen ihm das Fell über die Ohren. Im wahrsten Sinne des Wortes. Haben wir uns verstanden?“
Er schaute nach seinen teils sehr zynischen Worten herausfordernd in die ausgemergelten Gesichter, als erwartete er Beifall.
Einige der Gefangenen nickten. Von einigen kam ein lahmes ja. Ken spuckte verächtlich aus. In die Augen McIntosh’ trat ein böses Licht. Sein Blick saugte sich an Ken regelrecht fest. Auch der Captain war aufmerksam geworden. Über seiner Nasenwurzel bildete sich eine steile Falte. Sein Mund verkniff sich in den Winkeln.
Rundherum hatten sich Kavalleristen eingefunden, die alles neugierig beobachteten. Hier und dort waren auch Indianer zu sehen. Es waren jene Ute-Späher, von denen der Sergeant gesprochen hatte.
„Vortreten!“ Gefährlich leise, fast flüsternd, kam der Befehl von McIntosh.
Ken machte einen Schritt nach vorn. Er schimpfte sich selbst einen Narren, weil er sich dazu hinreißen hatte lassen, diesem Rotschädel zu zeigen, wie wenig er für eine blaue Uniform übrig hatte. Aber jetzt hatte er die Aufmerksamkeit des Sergeanten auf sich gezogen, und er musste die Konsequenzen tragen. Er legte die Hände an die Hosennaht und nahm eine militärische Haltung ein. „Sir!“
Die Stimme des Sergeanten war nur ein heiseres Geraune, als er sprach: „Du hast mir vor die Füße gespuckt, Sandfloh. Sag mir deinen Namen. Ich will ihn mir besonders gut merken. Denn du scheinst ein sehr hitziges Gemüt zu besitzen, und es gibt in diesem Stützpunkt immer wieder Gelegenheit, erhitzte Gemüter abzukühlen. Dann wird mir dein Name einfallen, Sandfloh. Vorher aber werde ich mir überlegen, wie ich dich für dieses Zeichen deiner Geringschätzung bestrafe. Man spuckt Lance McIntosh nicht ungestraft vor die Füße. - Deinen Namen, Soldat!“
Zuletzt brüllte er, dass die Umstehenden erschreckt zusammenfuhren. Ken jedoch zuckte nicht einmal mit der Wimper. Seine Lippen sprangen auseinander, er schnarrte: „Kenneth Withaker, Sir, Captain der Texas-Brigade, 4. Infanterieregiment ...“
McIntosh lachte giftig auf. Mit hohngetränkter Stimme unterbrach er Ken: „Vergiss deinen Dienstrang, Rebell. Hier bist du ein gemeiner Reitersoldat, ein Stück Ausrüstung, die zum Pferd gehören wird, einer der seinem Gaul den Hintern küsst, wenn ich es ihm befehle. Na schön. Ich glaube, ich habe dich durchschaut. Du gehörst zu den Unbelehrbaren. Und sicher denkst du auch an Flucht. Fast alle, die das Indianerland dem Gefangenenlager vorgezogen haben, dachten daran. Aber gelungen ist sie fast keinem. Sie gingen entweder vor die Hunde, oder wir haben sie eingebrochen wie störrische Broncos. Auch dir wird sie nicht gelingen, Texas. Denn auf dich werde ich ein ganz besonderes Augen werfen.“
Er sprach zuletzt voll böser, gehässiger Ironie. In Kens Miene zuckte kein Muskel. Er schwieg und hielt dem Blick des Sergeanten stand. Es war ein Blick voll Geringschätzung und Aggression, er beinhaltete eine stumme Drohung und ein düsteres Versprechen. Ken begriff, dass er in diesem Sergeanten einen Feind hatte, der ihm die Hölle bereiten konnte.
„Zurück ins Glied!“, brüllte McIntosh.
Ken folgte dem Befehl.
„Man wird euch jetzt eure Unterkünfte zuweisen!“, schrie McIntosh, ohne Ken noch eines Blickes zu würdigen. „Anschließend gibt es etwas zu Essen, und dann ist Einkleiden. Bereitet euch darauf vor, dass die ersten von euch für morgen schon eingeteilt werden, Patrouille zu reiten. Und denkt daran, dass ihr es da draußen in der Wildnis nicht mit zivilisierten Gegnern, sondern mit blutrünstigen Rothäuten zu tun habt, die keinen Ehrenkodex kennen, die hinterhältig und mörderisch sind wie Skorpione.“
McIntosh winkte einem Corporal. „Übernimm diesen Haufen, Tom. Du weißt Bescheid.“
Nach zwei Stunden waren die Formalien erledigt. Den Männern waren ihre Quartiere zugewiesen. Das Essen wurde im Freien ausgegeben. Es gab Maisbrei, hartes Brot und gepökeltes Rindfleisch. Und eine weitere Stunde danach bekam Ken als einer der letzten die blaue Uniform der Unions-Kavallerie ausgehändigt. Es war alles da. Von den Reitstiefeln bis zur Feldmütze mit dem Emblem der gekreuzten Säbel. Ken drehte sich fast der Magen um. Er trug alles in seine Unterkunft und legte die Kleidungsstücke auf das Bett. Um ihn herum waren Gemurmel, das Knarren der Fußbodendielen, waren all die Geräusche, die die Männer verursachten.
Ein Mann stieß Ken an. Und als Ken sich ihm zuwandte, flüsterte er: „Du musst höllisch auf der Hut sein, Captain. Dieser rothaarige Affe hat dich in sein Herz geschlossen. Der wartet nur darauf, dass du einen Fehler begehst.“
Ken nickte und dehnte: „Allzu lange, schätze ich, werde ich mich seinen Stimmungen nicht aussetzen, Kamerad. Bei der erstbesten Gelegenheit verdufte ich. Was geht mich das Indianerproblem der Blaubäuche an.“
Der andere beugte sich etwas vor. Er war genauso groß wie Ken, hatte ein kantiges Gesicht mit einem breiten Kinn, das eisernen Willen und Durchsetzungsvermögen verriet, und er erinnerte Ken auf seltsame Art an ein großes, gefährliches  Raubtier. „Dann denken wir ja ähnlich, Captain“, murmelte er. „Ich heiße Jim Harrison, und ich war Sergeant unter Colonel Sommerset.“ Er grinste düster. „Bei derart vielen gemeinsamen Interessen sollten wir zusehen, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren.“
In der Baracke erschien eine Ordonnanz. Der Bursche schrie: „Withaker, Soldat Withaker!“
In der Unterkunft wurde es still.
„Das bin ich“, rief Ken und trat von seiner Bunk weg in den Mittelgang. „Was gibt es?“
„Du wirst im Pferdestall erwartet, Withaker. Komm mit, ich zeige dir den Weg.“
Jim Harrison räusperte sich. Ken drehte ihm das Gesicht zu. Harrison verzog vielsagend den Mund. Ken setzte sich in Bewegung...

*

Die Düsternis des Stalles empfing Ken. Es roch nach Pferdeschweiß, Dung, Heu und Stroh. In den Ecken spannten sich verstaubte Spinnennetze. Das S

Title:Männer im Fegefeuer: WesternFormat:Kobo ebookPublished:January 15, 2013Publisher:CassiopeiaPressLanguage:German

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ISBN:9990006403947

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